GCC im 4x11 Närrischen Vereinsjubiläumsjahr
Vereinschroniken, die man oft in
Festschriften vorfindet, sind epochenbedingt Ergänzungen ihrer zuvor verfaßten Niederschriften und gelten als
Zeitzeugendokumente der jeweiligen Generation.
Vergangenes dokumentarisch in Wort und Bild wirklichkeitsnah
festzuhalten, ist das oberste Anliegen eines jeden Chronisten. Dieser
wiederum stützt sich letztendlich auf vorhandene Vereinsprotokolle und
mündlich überlieferte Aktivitäten, um so den nachfolgenden Generationen
hierüber Bericht zu erstatten. So auch in dieser Jubiläumsschrift zum
4x11 jährigen Vereinsjubiläum des
Gaulsheimer Carneval Clubs e.V.
Als neuer eigenständiger Ortsverein, erlebte
der GCC am 7.März 1959 seine Vereinsgründung, zu der sich 45
Gründungsmitglieder im Gasthaus „Zur Stadt Mainz“ (Inh. J. Kloos),
eingefunden hatten.
Von nun an wurde die närrische Brauchtumspflege von einem sich
stetig entwickelnden
Carneval Club in unserer Gemeinde wahrgenommen. Gewiß, bis zum heutigen Tag ein nicht immer leichter
Weg, der jedoch aus heutiger Sicht erfolgreich in allen 4x11-Vereins
Epochen gemeistert wurde.

Bild 1
Die einstmals bis zum letzten „Stehplatz“
besuchten Haussitzungen in den Gaulsheimer Gastronomien
wurden nun von „regulären“ Sitzungen abgelöst. Unter ihrem gewählten
1.Vorsitzenden, Mathias Biegner, und dessen
Vertreter - Hans Mazza, wagte man sich an das „Abenteuer“ Carneval
Präsentation in Gaulsheim heran.
Den finanziellen Grundstock der
Vereinskasse bildete der Erlös des 1. GCC-Sommerfestes am 11.Juli 1959,
dessen stürmischer Zeltdachflug bis hin zur Hindenburgbrücke kurz vor der
Veranstaltung die Aktiven besonders forderte.
Nach der ersten ordentlichen
Generalversammlung am 14.November 1959 wußte die
Narrenschar des GCC auf ihrer ersten Sitzung am 6. Januar 1960 ihr
närrisches Publikum in der Narrhalla Kloos zu
begeistern.
Universalkarnevalist Udo Velten
gestaltete hierzu eine höchst ansprechende Bühnendekoration, die nach
nunmehr 4x11 Jahren wieder als Vorlage für die Jubiläumsbühnendekoration
„2002 / 2003“ dient.
Wie in den vergangenen 22 Jahren wird
auch das diesjährige und gleichzeitig historische
Bühnenbild von unserem erfahrenen
Bühnenmaler, Jo Winter, in bewährter Art und Weise gestaltet.
Mit dieser Geste wollen wir uns den nicht
mehr unter uns weilenden Bühnen-bautechnikern der ersten Generation, wie:
Franz Göllner, Otto Weidmann und Anton Schweikardt
erinnern, die mit ihrem Geschick es verstanden, der närrischen Rostra einen
glanzvollen Rahmen zu verleihen.
Die heute „etwas älteren“ GCC-Aktivisten
erinnern sich noch gut an jene schweißtreibenden Nachspannaktionen der aus
Krepp-Papier kunstvoll gefertigten Bühnendekorationen.
Selbst deformierte Nägel wurden liebevoll
wieder betriebsbereit geklopft.

Bild 2
Unter der Regentschaft der Sitzungspräsidenten, Elisabeth
(Liesel) Maus und Willi Algesheimer, liefen die
Kappenschwestern und Kappenbrüder des GCC stets zur närrischen Hochform
auf, wobei Liesel Maus das Amt der Sitzungspräsidentin über 33 Jahre
erfolgreich begleitete und mit Vorträgen zum Gelingen der Sitzungen
beitrug.
Erinnert sei an dieser Stelle,
stellvertretend für alle Narrenstreiter der ersten Stunde an den
ausdruckstarken Fingerakrobatiker Paul Mauer, den
temperamentvollen Teufelsgeiger Virtuose Valentin Fleck, an das
unvergessene „Juch hei“ von Maria (Mariesche) Rettweiler,
den musizierenden „Batzewert“ Josef Kloos, an die
von Herta Wennesheimer und Ruth Weisenborn inszenierten Männer- und Damen Balletts, an
den Protokoller Günter Theis, an die wohlgesetzten Reime von Lore Winter
und Leni Kölsch, und nicht zu vergessen die „Kampfstarken närrischen
Urgewächse“ wie Sebastian (Baschtel) Ruder, Otto
Weidmann, Hans Weber, Paul Halle, Heinrich Maus, Heinrich Burkart, denen
die resoluten Kappen-Schwestern wie Elisabeth Muders,
Margarete Schiller, Agnes Weidmann, Gertrud Weber, Barbara Burkart,
Margarete Groß, Else Brisbois, Maria Winter,
Magdalena Siry, Marianne Schadt, Elisabeth Haas,
Katharina Mazza und Elisabeth Erschfeld, um nur
einige aus dem ehemaligen bunten „Narrenorchester“ des GCC aufzuzählen, in
nichts nachstanden.
Damals wie heute war das Vereinsleben im GCC geprägt vom
harmonischen Miteinander von Jung und „Alt“-Karnevalisten, denen die Gaulsheimer
Fassenacht besonders am Herzen liegt.
So gründete „Batzewert“ Josef Kloos
im Jahre 1976 das zwischenzeitlich legendäre „Trio Humore“, das mit seinen
Gassenhauern in der Besetzung: Friedel Bonacker,
Michael Maus und Michael Messer, das Publikum bis zum heutigen Tag
begeistert hat und nach dem
Jubiläumsjahr Platz für jüngere Generationen schaffen will.
Waren Anfangs
der „70er Jahre“ die Piratenbälle noch stark frequentiert, so mußte diese Veranstaltungsart den privaten „Fastnachts Partys“ ihren Tribut zollen. Dennoch ließ
man sich nicht entmutigen und hielt weiter an der traditionellen
Fastnachts-Tanzveranstaltung fest und gedenkt im Jubiläumsjahr, diese als
Fastnachts-Disco deklariert, für Jung und Alt neu beleben zu können.
Auch die althergebrachte Kreppelkaffee-Veranstaltung mit Kürung
einer Miss Kreppel (1.Miss Kreppel 1960 Margarete Groß), wurde in der
„Neuzeit“ durch die sogenannte „Dämmer-Sitzung“ abgelöst. Mit dieser
Veranstaltungsform will der Verein insbesondere den älteren Mitbürgern die
Gelegenheit bieten, das sonst am späten Abend stattfindende
Sitzungsprogramm zu einer für sie
angenehmeren Tageszeit miterleben zu können.

Bild 3
Das Veranstaltungsangebot des GCC
wandelte sich im Verlauf der vier Jahrzehnte,
wobei man sich auch gerne an die
Pappelfeste, die man mit den Ortsvereinen gemeinsam veranstaltete,
zurückerinnert.
Nachwuchspflege, für jeden Verein ein
unverzichtbares Muß, wird bis zum heutigen Tag
beim GCC groß geschrieben. So ließ Pfarrer Laick
als Initiator und Ausrichter die heute noch beliebte Tradition der
Gaulsheimer Kindersitzung in den 70er Jahren wieder aufleben.
Unvergessen sind auch seine großen
Auftritte dieser Zeit als
„Kirchturmgockel“ oder „Miß Disco“ in den
Kostümsitzungen. Mitte der „70er Jahre“ übernehmen junge Aktivisten des GCC
erstmals Verantwortung im Vorstand des Vereins. Das Narrenzepter als
Sitzungspräsident übernahm 1969 Edgar Algesheimer
von seinem Vater Willi Algesheimer, dem heutigen
Ehren-Sitzungs-Präsidenten des GCC.
25 Jahre prägte Edgar Algesheimer
als Sitzungspräsident und darüber hinaus als glänzender Redner bis zum
heutigen Tag die Kostümsitzungen mit Witz, Parodie Klamauk und „Gesang“
aber auch mit literarisch- politisch geschliffenen Versen zu einem
Höhepunkt.
Sein Weg wurde jahrelang von dem
Urkarnevalisten und Komiker, Michael Kreuder,
begleitet, der im Clownskostüm jeden Saal zum kochen
brachte.
Auch Walter Müller gehört zur der
Generation, die mit ihrer sprachlichen Begabung und außergewöhnlichsten
Dialekten das Publikum begeistert haben.

Bild 4
Als 1975 der damalige 1.Vorsitzende Otto
Weidmann sein Amt an seinen Nachfolger Hans Peter Schneider übergab,
vollzog sich nach und nach ein kontinuierlicher Generationswechsel
innerhalb des Vereins, der sich positiv auf die gesamte Vereinsentwicklung
auswirkte.
Vereinsinterne Gruppen bieten jedem
GCC-Aktiven eine Betätigungs-Nische, die seinen persönlichen Neigungen und
Ansprüchen gerecht wird.
So findet jeder, sei es als
Vorstandsmitglied, oder in der Gesangsgruppe „Wicke-Wacke“ (seit 1981)-, im
Gesangstrio „Trio Humore“- (seit 1976), in der Theatergruppe (seit 1983),
im attraktiven Garde/Show-Ballett, sowie im rustikalen
„Sieger“-Männerballett, im Zeltlagerteam (seit 1988) in der urigen Blunsworschtgarde (seit 1995) sowie im technischen
Bereich wie Bühnenbau, Licht- und Tontechnik ein weites Betätigungsfeld
vor, bei dem man sich auf lange Jahre hinaus einbringen kann.
Die 22-jährige Amtszeit als
Vereinsvorsitzender des heutigen Ehren-Vorsitzenden des GCC, Hans Peter
Schneider, sei hier als Beispiel angeführt, der neben der Vereinsführung
seinen Ideenreichtum im Aktivenkreis umzusetzen
verstand.
Sein von ihm bestelltes Feld an
konstruktiver Vereinsarbeit, übergab er 1996 seinem Nachfolger, Michael Maus,
der ebenfalls auf eine über 33jährige „Karnevalistische Betriebserfahrung“
im Aktivum des GCC verweisen kann.
Rührig und nach wie vor in vielen Gruppen
und dem Bühnenbau maßgeblich engagiert gelang es Michael Maus rechtzeitig
zur Jahrtausendwende, die Garde des Vereins durch gezieltes Sponsoring mit
einem neuen Gardekostüm auszustatten.
Besondere Verdienste um die Garde und
Showgirls hat sich
Ehren-Sitzungs-Präsidentin Liesel Maus erworben, in deren Fußstapfen
gleichermaßen seit 1985 Tochter Christa Kaczmarski
getreten ist, die ihre Mutter auch im Amt der Sitzungspräsidentin beerbte
und in der Jubiläumssaison bereits 11 Jahre das närrische Zepter schwingt
und immer um das leibliche Wohl aller Karnevalisten besorgt ist.
Die heutige Garde/Show-Ballettformation
ist nicht nur wegen ihrer, im Jahre –2000- neubeschafften Kostüme, ein
wahrlich attraktives Aushängeschild des Vereins. Mit Eifer und jugendlichem
Elan verstehen es die jungen Damen ihre Eigenkompositionen schwungvoll zu
präsentieren und entschädigen auf ihre Art eindrucksvoll ihre Sponsoren und
Gönner.
Den männlichen Gegenpart der anmutigen
Damenwelt stellt seit jeher das GCC-Männerballett. Schon in den
Anfangsjahren der Vereinsgeschichte war es sicher für alle
Trainerinnen stets ein Albtraum und Herausforderung
zugleich, den „taktschwachen“ Jungs auf die Sprünge zu helfen.
Elisabeth Kreuder
und Walburga Reitemeyer erwiesen sich hierbei als extrem
nervenstarke Energiebündel, die letztendlich selbst die „Hüftsteifesten
Urrumpels“, zu grazilen Tanzschrittakrobaten umfunktionierten.
Das heutige Männer-Ballett Team des GCC
hat sich sehr selbstbewußt einen eigenen Namen
gemacht, der sogar die Medienwelt aufhorchen ließ. Anlehnend an ihre sehr
erfolgreichen Turniererfolge, waren sie während der Fastnachtskampagne 2001
erstaunlich formatfüllend als „Siegerballett“ in Übergröße auf heimischen
Plakatflächen zu bestaunen.
Das seit 1988 veranstaltete
Jugendzeltlager des GCC, ist ein weiterer Mosaikstein im Vereinsleben, bei
dem sich das Mit- und Füreinander als eine erlebenswerte Erfahrung für alle
Teilnehmer darstellt.
Auf eine ebenso spannende als auch
erlebnisreiche „Erfahrung“ können sicherlich auch die in den
GCC-Jubiläumsjahren residierenden Prinzenpaare zurückblicken.
Zusammen mit Heike Burkart hielt Jörg
Winter, beim 2x11-Vereinsjubiläum Hof auf der närrischen Rostra des GCC.
Mit trocknem Witz und schlagfertigem
Humor hat sich Jörg Winter im Amt des Sitzungspräsidenten seit mehr als 9
Jahren einen Namen gemacht.

Bild 5
Elf Jahre später, zum 33.-Vereinsgeburtstag,
waren es Silke Burkart und Rene Algesheimer, die
mit ihrer „leibeigenen Dienerschaft“
bestehend aus einem Butler (Dominik Liebetanz) und dem Mohren (Torsten
Fleck), die närrische Regentschaft ausübten.
Nicht minder gespannt sehen in der 4x11
jährigen Jubiläumskampagne -2003-als Prinzessin Kristin I. , die Aktive
Kristin Pieroth und als Prinz Benny I. , Benjamin Kaczmarski
ihrer närrischen Regentschaft entgegen.
Beide haben sich ihre ersten
karnevalistischen Sporen bereits in den GCC Kinder-Sitzungen verdient und
sind seit einigen Jahren erfolgreiche Mitstreiter in den großen
Familiensitzungen.
Zum 22 jährigen Jubiläum des Vereins
gründete unser „Musikus“, Michael Messer, die gemischte Gesangsgruppe
„Wicke Wacke“. Dies Gruppe vereint drei Generationen unter einem Hut und
hat sich über Gaulsheims Grenzen hinaus einen
Namen gemacht.
Noch heute sind neben dem Gründer Liesel
Maus, Michael Maus und Jo Winter in dieser Gruppe aktiv.
Eine Überraschung der ganz besonderen Art
erlebte der Elferrat auf seiner 1.Kostümsitzung in der Kampagne 1995, als
sich eine urige Spezialtruppe in Form der Blunsworschtgarde
vorstellte.
Alte karnevalistische Haudegen leisten
alljährlich am Neujahrstag den närrischen Fahneneid auf das
Vierfarben-Banner.
Selbst bei harten Abwehrschlachten
„Alkoholmanipulierter- Kampfstoffe“, haben sie stets ein wachsames Auge auf
ihr Tanzmariechen (Patricia Vohs).
Nicht minder erstaunt war auch sicher die
Gaulsheimer Bevölkerung, als der GCC im Jahre 1983 mit einer vereinsuntypischen
Sparte, dem Laienspiel-Theater aufwartete.
Der Erstaufführung des Theaterstückes
„Krach um Jolante“, im November 1983, folgten bis zum Jahr 2000 noch
insgesamt zwölf Theater Premieren in Eigenregie, die sich eines guten
Zuspruchs erfreuten.
Für ihre besonderen Verdienste um das
„Laienspieltheater“ wurde der Theatergruppe mit ihrem Gründer Hans Peter
Schneider am 25.November 1999 der Kulturpreis der Stadt Bingen verliehen.

Bild 6
Sie sind neben all den anderen Aktivisten
im GCC ein lebendiger Beweis einer erfolgreichen Nachwuchsarbeit innerhalb
unseres Vereins.
Aber auch hier gilt es, nicht
nachzulassen in dem Bestreben, junge Menschen als starkes Kettenglied “Vereinsaktivist“ zu gewinnen, das sich immer wieder neu
bewähren muss.
Denn wie merkte der ehemals amtierende
Sitzungspräsident, Karl Winter, anlässlich der Überreichung seiner
Amtskette zum 2x11. Vereinsjubiläum an den damaligen Sitzungspräsidenten
Edgar Algesheimer doch so treffend an :
“So wie die „Alten“ sungen
– So zwitschern heut die Jungen“
wahrlich ein Leitgedanke für alle zukünftigen Vereinsgenerationen
des Gaulsheimer Carneval Club.
Im November 2002
Hans Peter Schneider
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